Dr. med Günther Rödig

Nach fast 30 Jahren Abschied von der "Anstalt" - Jetzt Arzt bei der Wohnungslosenhilfe

Vor fast 30 Jahren kam ich voller Enthusiasmus in die Anstalt. Ich fühlte mich wie ein Forscher früherer Jahrhunderte, der in den Urwald ging. Tatsächlich fand ich in Haar ein optimales Betätigungsfeld. Mit guten Ideen und Tatkraft, aber auch Geduld und Durchhaltevermögen konnten gemeinsam mit vielen Mitstreitern aus allen Berufsgruppen
Veränderungen auf den Weg gebracht werden, die vorher niemand für möglich gehalten hätte.
Doch die letzten Jahre wurden immer mehr überschattet von einer zunehmenden Bürokratisierung und Kommerzialisierung der Medizin, welche auch vor der Psychiatrie nicht halt machten - und immer weniger Raum ließen für die Würdigung der eigentlichen Arbeit an sich.
In der Hoffnung Positives bewirken zu können, engagierte ich mich die letzten Jahre im Betriebsrat und kandidierte 2008 mit Erfolg für den Bezirkstag. Als Bezirksrat konnte ich unter anderem ein "Clearing-Heim" auf dem Krankenhausgelände iniziieren, um "Oberlandverschickungen" von PatientInnen in abseits gelegene (geschlossene) Heime nach Möglichkeit vermeiden zu können.
Aber das Spannungsfeld zwischen zwischen einer an menschlichen Einzelschicksalen orientierten Arbeit und der Drohkulisse durch MDK und Einigungsausschuss wurde für mich immer unerträglicher.
Vor diesem Hintergrund entschied ich mich, nicht länger zu jammern, sondern eine sinnvolle Alternative zu suchen. So fand ich die Wohnungslosenhilfe der Stadt München,
wo - wie ich glaube – eine große Herausforderung auf mich wartet.
In diesem Zusammenhang glaube ich auch, unserem Krankenhaus bzw seinen PatientInnen wertvolle Dienste anbieten zu können bei der Entlassvorbereitung bzw dem Überleitungsmanagement entsprechender PatientInnen.
Auch den MitarbeiterInnen werde ich bis auf Weiteres erhalten bleiben, da ich meine Betriebsratstätigkeit auf Teilzeitbasis fortsetzen werde.

 
 

13.05.2013 in Allgemein

Warum ich wieder für den Bezirkstag kandidiere

 

Gute Politik braucht viel eigenen Sachverstand,
um nicht bloß zum Spielball zu werden für verschiedenste Lobbyarbeit.

Mit entsprechendem Sachverstand können auch Verbesserungen auf den Weg gebracht werden, die nicht gleich mit weiteren Kostensteigerungen verbunden sind.

30 Jahre Arzt im Krankenhaus Haar und nun meine Tätigkeit für die Wohnungslosenhilfe der Stadt München.

Ich glaube ohne Übertreibung behaupten zu können:
Kein anderer Bezirksrat kann eine diesbezügliche Expertise vorweisen.

Dabei sind die wesentlichen Zuständigkeiten des Bezirks die Psychiatrie und der soziale Bereich. Dafür werden über 90% der Haushaltssumme von 1,4 Milliarden ausgegeben.

Vor dem Hintergrund begrenzter Mittel ist dabei wichtig unterscheiden zu können:
Was ist wünschenswert und was ist notwendig-unverzichtbar-was evtll auch überflüssig.

 

03.04.2012 in Allgemein

Psychiatrische Leitlinien - einmal anders (Grundsatzgedanken für eine menschliche Psychiatrie, 2003)

 

Was der Inhalt meiner Ausführungen sein wird, ist meine Bilanz und auch meine Utopie nach einer nun schon 20-jährigen akut-psychiatrischen Erfahrung im Bezirkskrankenhaus Haar.

Bevor ich auf meine Leitsätze im einzelnen eingehe,
möchte ich vorweg ihren Hintergrund – meinen psychiatrischen Werdegang – kurz darstellen.

 

03.04.2012 in Allgemein

Psychiatrie in Bewegung (Vortrag bei der Verbandsversammlung der bayer.Bezirke Juni 2010)

 

Das Thema „Psychiatrie in Bewegung“ ist eine große Herausforderung.
Dabei sollte man sich aber erstmal Klarheit verschaffen, wo man steht.
Nicht ausschließbar vor einem Abgrund.
Ein Schritt in die falsche Richtung kann verhängnisvoll sein.

In anderen Bereichen der Medizin ist bereits die Diskussion um die „Priorisierung“ von Leistungen im Gang.

Auch in der Psychiatrie müssen wir Stellung beziehen:
Was ist notwendig, was ist nur wünschenswert?

 

20.06.2008 in Allgemein

Warum ich mich engagiere

 

Vor 25 Jahren begann ich als Arzt im Krankenhaus Haar.
Seitdem konnte ich einen sehr positiven Veränderungsprozess von der früheren Verwahrpsychiatrie hin zu einer modernen Sozialpsychiatrie miterleben und auch selbst mitgestalten.

 

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